Gestaltung der digitalen Arbeitswelt 2018-04-24T10:36:02+00:00

Mensch und Qualifikation

Alle Arbeitsbereiche

Gestaltung der digitalen Arbeitswelt

Lesezeit wird berechnet…

Digitalisierungsprozesse auf Unternehmensebene umfassen nicht nur die Anpassung von Operations- und Geschäftsmodellen sowie eine etwaige strategische Neuausrichtung. Die Arbeit ist ebenfalls zentraler Schauplatz des digitalen Wandels und bedarf entsprechender Aufmerksamkeit.

Kompetentes Handeln wird in zunehmend komplexer werdenden Situationen im Beruf und Alltag erforderlich. Von der erwerbstätigen Bevölkerung werden künftig Fähigkeiten gefragt sein, die Maschinen nicht entwickeln können. Dazu zählen etwa handwerkliche oder kreativ-gestalterische Fertigkeiten, kombiniert mit digitalen Kompetenzen. Eine Aufgabe besteht weiters darin, jenen Menschen, die nur schrittweise mit den dynamischen Veränderungen der Digitalisierung am Arbeitsmarkt mithalten können, entsprechende Unterstützung zu bieten.

Die Suche nach ausreichend qualifizierten Arbeitskräften in diesem Bereich stellt zunehmend eine große Herausforderung für die Unternehmen des Landes dar und ist zugleich limitierender Faktor für die wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmensentwicklung, für Innovationen und die digitale Transformation am Standort Vorarlberg. Um einen sich weiter verschärfenden Engpass an IKT-Fachkräften zu vermeiden und gleichzeitig einen prosperierenden Wirtschafts- und Gesellschaftsraum sicherzustellen, behandelt dieser Arbeitsbereich Maßnahmen, die in den Bereichen Schule und duale Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung die Entwicklung und Verfügbarkeit von IKT-Humankapital fördern und sichern. Zahlreiche Maßnahmen sind bereits eingeleitet, weitere und ergänzende zur Entwicklung und Anwerbung von Fachkräften werden in den nächsten Jahren und unter noch stärkerer Einbeziehung der Unternehmen folgen.

Die Erarbeitung und Umsetzung der aus- und weiterbildungsrelevanten Aktivitäten zur Erhöhung der digitalen Kompetenz erfolgt unter breiter Einbindung der Vorarlberger Bildungsinstitutionen. Gemeinsames Ziel ist es, digitale Bildung in allen Lebensphasen zu realisieren. Geleitet von Fragestellungen wie z. B. Wie kann die Begeisterung an IKT-Ausbildungen gesteigert werden? Wie lernen Kinder und Jugendliche einen kompetenten Umgang mit Wissen und Information? Wie sind die Medienkompetenz von Lehrenden und die Nutzung neuer Lehrformen zu steigern? Wie ist die Ausbildung an die Erfordernisse der digitalen Wirtschaft auszurichten? Wie können Fachkräfte zukünftig noch Fachkräfte sein und wie gestalten wir effektiv das Konzept des lebenslangen Lernens? wurden die nachfolgenden Handlungsfelder und Maßnahmen definiert.

Die Handlungsfelder spannen sich entlang des gesamten Bildungsspektrums. Beginnend mit dem gezielten Wecken von Interesse für IKT-Themenstellungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, der Weiterqualifizierung des Bildungspersonals sowie der Schaffung der relevanten Rahmenbedingungen und Ressourcen bis zur Steigerung der digitalen Kompetenzen in allen Altersschichten als auch der dafür notwendigen Erweiterung und ‚Digitalisierung‘ der Bildungs- und Weiterbildungsangebote. Darüber hinaus wird es auch notwendig sein, kurz- und mittelfristig zusätzliche (Spitzen-)Kräfte für die Region zu gewinnen sowie gezielte Maßnahmen im Bereich der Rückgewinnung von z. B. überregional Studierenden zu setzen.

Plattform für digitale Initiativen, Hackathon 2016, © Nina Bröll

Kompetenz- und Innovationsmanagement im Betrieb fördern

Systematische betriebliche Weiterbildung unterstützen
Weiterbildungsanforderungen halten durch die Digitalisierung noch stärker Einzug in die betriebliche Realität. Die Ermittlung eines realistischen, differenzierten Bildes des Qualifizierungsbedarfs hilft, betriebliche Weiterbildungsprogramme und Personalentwicklungsmaßnahmen zu planen. Viele Unternehmen greifen diese Aufgabe im Rahmen eines systematischen Kompetenzmanagements auf. Dabei setzen sie sich mit der Frage ihrer mittelfristigen Kompetenzanforderungen bei veränderten Betriebsabläufen auseinander und verbinden dies mit einer systematischen Analyse des bestehen-den Humankapitals und dessen Weiterentwicklungspfaden. Eine solche strategische Weiterentwicklung der Mitarbeitenden birgt Vorteile, da neue Kompetenzen aufgebaut und Innovationsvorsprünge gesichert werden können. Durch die richtigen Anreize zur Weiterbildung und Förderung sowie Unterstützung der Weiterbildungsbereitschaft durch altersgerechte Didaktik können Mitarbeitende auch besser an den Betrieb gebunden werden. Unterstützt wird die Entwicklung angepasster betrieblicher und ortsunabhängiger Angebote wie z. B. duale Konzepte, Ausbildungsverbünde, Blended Learning.

Arbeitnehmerschutz für das digitale Zeitalter anpassen

Arbeitnehmerschutz bei digitalen Arbeitsprozessen mitdenken
Die Digitalisierung führt zu neuen Formen der Arbeitsorganisation und Beschäftigung. Digitale Technologien erfordern zum einen teilweise eine höhere Flexibilität von Arbeitskräften, zum anderen ermöglichen sie ein zeit- und ortsflexibleres Arbeiten. Arbeitsvorhaltung bzw. die ständige Verfügbarkeit erzeugt dabei ein deutlicheres Verschwimmen der Grenzen zwischen Privat- und Erwerbsleben und zieht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer relevante Folgen mit sich. Auswirkungen sind branchen-abhängig und erfordern entsprechend angepasste Lösungen. Darüber hinaus ist die Ausgestaltung entsprechender Regelungen für die im Zuge der digitalen Entwicklung aufkommenden neuen Formen der Arbeitsorganisation (z. B. Crowdwork, Microjobs) zunehmend wichtig. Grundsätzlich ist Arbeitnehmerschutz deshalb ein wesentlicher Aspekt, der bei digitalen Arbeitsplatz- und Prozessinnovationen integriert sein muss. Für das digitale Zeitalter sind geeignete Rahmenbedingungen und Strukturen zu diskutieren und entsprechend fortzuentwickeln.

Datenschutz braucht Rechtssicherheit und betriebliche Kompetenzen
Durch digitales Arbeiten stellen sich auch neue Fragen in Bezug auf den Datenschutz. Neben Unternehmens- und Kundendaten muss auch der Schutz der Daten von Beschäftigten sichergestellt werden. Die Umsetzung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung erfordert entsprechende Vertrautheit mit der Rechtsgrundlage und ihrer Interpretation im Betrieb. Eine überbetriebliche Auseinandersetzung und die Schaffung von klar verständlichen und anwendbaren Richtlinien sind wesentlich. Parallel dazu sollen Qualifikationsmöglichkeiten zu Datenschutzthematiken geschaffen wer-den, damit umfassender Datenschutz über alle Unternehmensgrößen und Branchen hinweg gewährleistet werden kann.

Arbeitsmarktfunktionalität verbessern und Arbeitskräfte mobilisieren

Digitalisierung für bessere Work-Life Balance nutzen
Mit dem digitalen Wandel ergeben sich Handlungsmöglichkeiten, um durch ein breite-res, individuelleres Angebot in der Arbeitsgestaltung auf veränderte Erwerbsbiografien produktiv und allseitig gewinnschaffend reagieren zu können. Innovative, digital unterstützte Lösungen, die zeitliche und örtliche Flexibilität für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schaffen, existieren bereits (z. B. Jobsharing-Modelle, Home-Office und Co-Working Spaces), und bergen besonders für Beschäftigte mit Betreuungspflichten oder Pflegeaufgaben bedeutendes Potenzial. Dabei ist der Trend in Richtung Flexibilisierung eine wesentliche Herausforderung für die Produktion der Zukunft, denn das Potenzial digitaler Technologien bzw. von Industrie 4.0 für die Flexibilisierung ist groß. Um den Anforderungen des digitalen Zeitalters gerecht zu werden, braucht es die Erarbeitung weiterer Arbeitszeitmodelle sowie geeigneter Rahmenbedingungen – je nach Umfang in Zusammenarbeit mit Sozialpartnern –, welche betriebliche und kollektive Regelungen als auch individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. Diese sollen insbesondere für und in Zusammenarbeit mit Unternehmen erarbeitet werden, die ihre Prozesse bereits stark digital ausgerichtet haben.

Für demografische Entwicklungen gewappnet sein
Neben der Digitalisierung wird sich auch der demografische Wandel nachhaltig auf die Arbeitswelt und Unternehmen auswirken. Der demografische Wandel bewirkt u. a. eine Veränderung der Struktur der Belegschaft. Laut Prognosen bedeutet das, dass der Anteil älterer Erwerbstätiger steigt und jener jüngerer Mitarbeitender zurückgehen wird. Die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität hängt somit künftig von einer tendenziell älteren Mitarbeiterstruktur ab und erfordert eine Auseinandersetzung mit altersgerechter Arbeitsgestaltung und Weiterbildung. Für diese demografisch bedingten betrieblichen Herausforderungen sind Lösungen der Digitalisierung zu evaluieren, zu nutzen und Anreize zu schaffen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger im Erwerbsleben zu halten.

Digitale Rahmenbedingungen gemeinsam gestalten

Mitbestimmung im Betrieb zu und mittels Digitalisierung
Dem enormen Disruptionspotenzial der Digitalisierung für die Arbeitswelt entsprechend, entstehen Herausforderungen und Chancen, wofür die gemeinsame Gestaltung im Sinne guter/konstruktiver Lösungen ein Ansatzpunkt ist. Beispielsweise ist die zeit-gerechte Einbindung der Belegschaft in Digitalisierungsprozesse im Unternehmen ein wichtiger Aspekt, denn oftmals besitzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ideen und Detailwissen um betriebliche Abläufe, das für Prozessinnovationen und für eine reibungslose Abwicklung operationeller Veränderungen wesentlich ist. Die Digitalisierung kann hier sowohl Ziel als auch Mittel sein. So kann der Ausbau von existierenden In-formations- und Mitbestimmungsstrukturen der Beschäftigten in Betrieben unterstützt werden, indem Tools zum Umstieg auf digitale interne Kanäle und Plattformen zur Verfügung gestellt werden.

Digitalisierung auf Branchenebene gestalten
Branchenübergreifende und -spezifische Diskussionen zu den Rahmenbedingungen der Digitalisierung können zu einem detaillierteren, umfassenderen Verständnis beitragen sowie zur Erarbeitung angemessener Lösungsvorschläge führen. Eine effiziente Mög-lichkeit dafür ist es, bestehende Formate um Diskussionen zu branchenspezifischen Beschäftigungseffekten, veränderten Kompetenzanforderungen, rechtlichen Fragen des Arbeitnehmerschutzes und Datenschutzes zu ergänzen.

Leitprojekte

Digital.Campus Vorarlberg

Lehrstuhl zur Begleitforschung der Digitalisierung